Neue Geschäftsideen im Zeitalter von Digitalisierung und Industrie 4.0

  • Das SÜDKURIER Medienhaus lässt Experten über neue Geschäftideen im Zeitalter von Digitalisierung und Industrie 4.0 diskutieren.

Ein Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH fotografiert am 31.03.2015 im Bosch Werk in Immenstadt (Bayern) mit einem Smartphone eine Störung an einer Finishmaschine für Ventilkörper zur Übertragung in das Operator Support System.

Es ist ein einfacher Rat, den Guido Baltes an alle Zögerlichen und Verzagten richtet: „Einfach machen.“ Baltes ist Direktor am Konstanzer Institut für Strategische Innovation und Technologiemanagement (IST) der Hochschule HTWG. Sein Job ist es, technologischen Trends weltweit nachzuspüren und aus den gewonnenen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen für die Wirtschaft abzuleiten. Das Ziel: Die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen sicherstellen.

Diese ist aktuell in Gefahr. Nachdem das Internet das Private bereits erobert hat, schickt es sich nun an, auch die Produktion umzukrempeln. Maschinen sollen vernetzt und Daten in Clouds – abgeschirmte Datenkammern im Internet – gespeichert werden. In neuartigen Smart Factories – intelligente Fabriken – kommunizieren Tausende Gegenstände per Sensortechnik, um die Effizienz zu erhöhen. Industrie 4.0 heißt dieser IT-Trend, in dem insbesondere US-Firmen Schlüsselpositionen besetzen und deutsche Firmen Gefahr laufen, zu bloßen Bauteilelieferanten degradiert zu werden. Gerade entscheide sich „wer das Geschäft der Zukunft macht“, sagt Baltes.

Ob das der deutsche Mittelstand ist, ist fraglich. Diese Woche ergab eine Studie, dass fast ein Viertel aller Unternehmen sich gar nicht mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzt. Baltes, aber auch Thorsten Schiek, Geschäftsführer vom Landesnetzwerk Mechatronik und seit Jahren in Innovationsfragen engagiert, halten das für fatal. „Der Schwarzwald, Oberschwaben aber vor allem der Bodenseekreis“ seien im Punkte Digitalkompetenz „weiße Flecken“.

 

Guido Galtes HTWG Konstanz
"Wer nur das alte Geschäft genießt, wird
als Firma nicht überleben.
"
Guido Baltes, HTWG


Viel zu spät reagierten die Firmen auf technische Neuerungen. „Wir müssen dringend Fahrt aufnehmen“, sagt Schiek. Um neue Geschäftsmodelle im IT-Bereich zu entwickeln, müssten die Betriebe enger zusammenrücken, kooperieren und Know-how teilen. Selbst Konzerne wie ZF gehen diesen Weg. Auch in ihnen ist die Erkenntnis gereift, dass man „allein zu klein“ ist, wie es Nils Macke sagt, der bei dem Zulieferer für strategische IT-Entwicklung und Produktion zuständig ist.

Wer als Unternehmer jetzt nur das alte Geschäft genieße ohne sich um neue Geschäftsmodelle zu kümmern, riskiere den Fortbestand seines Unternehmens, sagt Baltes. Auch kleinen Firmen mit begrenzten Finanzmitteln rät er zwingend, in Innovation zu investieren. Auch wenn die Gefahr droht, dass Geschäftsmodelle scheitern. Jedes Unternehmen brauche einen Bereich mit flexiblen Teams, in dem Fehler gemacht und Geld in risikoreiche Ideen gesteckt werden dürfe. „Wir müssen jetzt in die digitale Welt springen“, sagt er. Besser gestern als heute.

 

Text: Walter Rosenberger
Bilder: dpa, Jeanne Lutz