SÜDKURIER im Finale für Deutschen Lokaljournalistenpreis

24.06.2019 | SÜDKURIER
  • Berichterstattung um den Konstanzer Fasnachter Willi Hermann beim Deutschen Lokaljournalistenpreises nominiert

Die Jurorinnen und Juroren des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung wählten aus 341 Bewerbungen die stärksten Arbeiten der Lokaljournalisten in Deutschland: Acht Bewerbungen schafften es ins Finale, darunter die des SÜDKURIER. Die Berichterstattung um den Konstanzer Fasnachter Willi Hermann gehört damit zum Besten, was Lokaljournalisten in Deutschland im vergangenen Jahr recherchiert haben.

Die SÜDKURIER-Redakteure Jörg-Peter Rau und Uli Fricker hatten zum 111. Geburtstages von Willi Hermann (1907-1977) ein Porträt über den bekannten Fasnachts-Komponisten und langjährigen Angehörigen des Stockacher Narrengerichts geplant. Doch die Jahre zwischen 1930 und 1945 ließen sich in der Biografie nicht rekonstruieren - so sehr die Journalisten auch recherchierten, sich mit alten Weggefährten trafen, sogar die Tochter interviewten. Die beiden Journalisten wurden stutzig und baten um Unterstützung beim Konstanzer Stadtarchivar Jürgen Klöckler. Er ist habilitierter Historiker und ausgewiesener Experte in der Erforschung der Nazi-Vergangenheit von lokalen Größen.

Dabei kam zu Tage, dass Willi Hermann nicht nur eine soldatische Vergangenheit hatte, wie viele Überlebende dieser Zeit auch. Er war in der Heimat auch Propagandaredner der Nazis, Mitglied der allgemeinen SS und an Kriegsverbrechen auf der griechischen Insel Kefalonia beteiligt. Dort 1943 wurden 5200 italienische Soldaten von Deutschen hingerichtet, eines der großen Massaker des Zweiten Weltkriegs. Willi Hermann war also kein Mitläufer.

Häufiger Tenor der daraufhin entflammten breiten Diskussion: Die Toten müsse man auch mal ruhen lassen. Die Redaktion blieb jedoch bei ihrer Linie der Aufklärung und die Narren zogen beachtlich schnell Konsequenzen. Die Konstanzer Narrengesellschaft Niederburg sagte das Galakonzert zu Ehren Hermanns ab, bei offiziellen Anlässen werden seine Lieder nicht mehr gespielt. Auch das Sockacher Narrengericht erforschte die Rolle Willi Hermanns sowie das Handeln derer, die ihn 1961 in ihre Reihen beriefen.

SÜDKURIER-Chefredakteur Stefan Lutz: „Die regionale Tageszeitung hat mit der Veröffentlichung einen wichtigen Beitrag geleistet, dass es eine Vergangenheit gibt, die – anders als sich viele wünschen – nicht vergeht. Sie ist in der Erwartung von Anfeindungen furchtlos aufgetreten und hat die Suche nach Wahrhaftigkeit als Prinzip des Journalismus aufrechterhalten und verteidigt. Ich freue mich sehr für die Kollegen.“

Ausgezeichnet mit den ersten drei Plätzen des Deutschen Lokaljournalistenpreises wurden die Chemnitzer Freie Presse, Platz 2 ging an die Pforzheimer Zeitung, Platz 3 an die FAZ. Neben dem SÜDKURIER waren noch im Finale das Hamburger Abendblatt, die Neue Osnabrücker Zeitung, die WAZ und der Neue Tag mit Partnern.