Gründerzeit in Konstanz



Unternehmer für Gründer
Engagieren sich für den Wirtschaftsstandort Konstanz: Tobias Fauth vom Netzwerk Cyberlago, Unternehmer Robert Ilse, HTWG-Professor Guido Baltes und SÜDKURIER-Geschäftsführer Rainer Wiesner (von links).


Platz ist da. Nach vorne, nach hinten, nach links, nach rechts. Die Personen zwischendrin können die Blicke weit schweifen lassen. Was dieser Ort, das Konstanzer Innovationsareal, bisher als KINA bekannt, ausstrahlt, wie er so etwas wie der Hoffnungsträger für die Wirtschaftsentwicklung der Stadt werden könnte, das lässt Raum für Ideen. Leergeräumt und geputzt zeigt die Sheddachhalle in bester Wirtschaftswunder-Architektur: Dies ist ein besonderer Ort, hier auf dem früheren Siemens-Areal an der Bücklestraße in Petershausen – auch weil er für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen steht.

So viel Symbolik hatten die Männer, die sich hier treffen, nicht bewusst gesucht. Aber Bestehendes und Bewährtes mit dem Neuen und Erfolgversprechenden zu verbinden, darum geht es auch ihnen. Sie haben gerade eine neue Initiative aus der Taufe gehoben. „Unternehmer für Gründer“ heißt sie, und sie ist als bürgerschaftlicher Beitrag zur Entwicklung der Stadt gedacht. Firmeninhaber und Manager, so die Idee, stellen ihr Wissen, ihre Erfahrung und auch ihre Netzwerke zur Verfügung und unterstützen so mutige Leute, die ein eigenes Unternehmen gründen.

Und die Unternehmer bekommen für ihre Unterstützung etwas zurück, wie Robert Ilse sagt. Er hat 1990 selbst eine Firma hochgezogen; als er anfing, war er noch Student der Betriebswirtschaftslehre. Inzwischen ist er Geschäftsführer beim Konstanzer Zweig der Dokumentenmanagement-Firma Optimal Systems. Er weiß, wie es ist, mit einer guten Idee und wenig Kapital anzufangen. Und er weiß, dass die Unbekümmertheit und der Mut von Start-Up-Gründern etwas ungeheuer Charmantes ist. Wenn „Interesse auf Erfahrung trifft“, wie er es sagt, ist es auch ein Begleiten von jung nach alt. „Reverse Mentoring“, nennt Ilse das, einen umgekehrten Lernprozess.

Gewinnen können also alle, ergänzt Guido Baltes. Der Professor an der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung lehrt Innovationsmanagement. Er berät Unternehmen auf dem Weg in die digitale Zukunft und kämpft durch bürgerschaftliches Engagement dafür, dass Konstanz seinen fairen Anteil an der Zukunft bekommt. Darum macht auch er bei der neuen Initiative „Unternehmer für Gründer“ mit. Denn gute Ideen sollen eben nicht nur in Berlin, Hamburg oder München eine Chance erhalten. Sondern auch dort, wo das Leben mindestens so lebenswert ist und wo die Hochschulen Jahr für Jahr großartige Talente hervorbringen. Baltes weiß aber auch: Die Konkurrenz der Standorte ist hart. Wer bestehen will, muss sich verändern. Rainer Wiesner, Geschäftsführer des SÜDKURIER Medienhauses, will an dieser Aufgabe ebenfalls mitarbeiten – auch über das eigene Unternehmen hinaus, das in Konstanz einer der wesentlichen lokalen Akteure in Sachen Digitalisierung ist und im Dienstleistungssektor diverse Neugründungen vorzuweisen hat.

Ein solcher Impuls soll vom 17. und 18. Mai ausgehen. An diesem Freitag und Samstag stellt sich die neue Initiative „Unternehmer für Gründer“ erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vor. Tobias Fauth, der Geschäftsführer des von der Stadt wesentlich getragenen Netzwerks Cyberlago, bringt sich ebenfalls in die Gruppe ein – und freut sich schon auf den von Cyberlago und „Unternehmer für Gründer“ gemeinsam veranstalteten Hackathon. Spezialisten für Computerprogramme und Maschinen treffen sich mit Querdenkern und Ideengebern, um auf knappem Raum in begrenzter Zeit Lösungen für selbst gestellte Fragen zu entwickeln. Auf einem Bodenseeschiff hat neulich schon einmal solch ein Hackathon stattgefunden. Herausgekommen sind unter anderem eine App fürs Handy, die beim Lösen von Sudokus hilft, aber auch eine Cocktail-Mischmaschine.Eine Arena für Tüftler, gerne mit erhöhtem Spaßfaktor – so beschreibt der Hackathon-Routinier Marcus Stavrakakis das Angebot; er hat selbst ein Start-Up mitgegründet. Für Unternehmer Robert Ilse stehen auch noch andere Themen auf der Agenda. Teilnehmer können sich kennenlernen, vielleicht sogar eine Geschäftsidee aufnehmen, mögliche neue Mitarbeiter treffen oder eigene Forschungsfragen zur Beantwortung geben. Daher wird auch er selbst mit dabei sein, wenn im Mai mit Hochdruck getüftelt wird. Der SÜDKURIER wird sich ebenfalls aktiv einbringen. Übrigens: Stattfinden wird er sinnigerweise im Innovationsareal.

Text und Bild: Jörg-Peter Rau

Dieser Artikel erschien zuerst am 03. März 2019 auf SÜDKURIER Online.